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Freitag, 11.08.2006

Panopticon

Es gibt Themen, die sind so widerlich klebrig und zerstörerisch wie ein Öltanker-Unglück. Ein kleiner Anstoß und der zähe Teppich beginnt sich auszubreiten und haftet an jedem, der es wagt, der Unglücksstelle zu Nahe zu kommen. Und Neugierige gibt es reichlich.




Es ist eines dieser Themen, bei dem man nicht weiß, wo man anfangen soll. Es ist alles dazu gesagt wurden, der Aufmerksamkeitszenit längst überschritten und dennoch bleibt man fasziniert stehen, weit unten auf dieser letzten und schmierigsten Treppenstufe des Boulevard. Wie Insekten kleben wir am Fliegenfänger, nicht bemerkend, dass der süße Duft die Falle ist.

Es ist die Geschichte eines Callboys, mehrerer Blogger, juristischen Intermezzos, und sehr sehr sehr viel Tamtam um Nichts. Angefangen hatte dieser Krieg mit lustig gemeinten Berichten über die Homepage von Torsten R., auf der er seine Dienste als Callboy anbot. Dabei machte er jedoch den Fehler, dieses Angebot nicht in einwandfreiem Deutsch feilzubieten und seine Verlinkungswünsche nur allzu unfein preiszugeben. Während man in Blogtown sofort zur Unglücksstelle lief um zu berichten, sah sich Torsten R. immer mehr der erwachenden Macht des Blog-Panoptikum schutzlos ausgeliefert und griff zum Schwert der Justitia. Doch ein Prozess nach dem anderen ging zu seinen Ungunsten aus.



"Es gibt nur eine Macht, der ich von ganzem Herzen Gehorsam leisten kann, der Entscheidung meiner eigenen Vernunft und dem Diktat meines eigenen Gewissens." William Godwin



Die juristischen Sieger sind die beteiligten Blogger, die moralischen Gewinner sind sie sicherlich nicht. Es ist mehr als erschreckend, dass die Macht eines so kraftvollen Netzwerkes wie das der Blogger scheinbar nur ausreicht, um einem Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Dabei ist es völlig nebensächlich, ob all diese Häme und Herabwürdigung rechtlich gedeckt ist. Oft wurde im Laufe dieses Krieges Torsten R's fehlende Vernunft bemängelt. Doch wäre es nicht vernünftiger gewesen, Torsten R. einfach das zuzugestehen, was er von Anfang wollte: ein Ende der Berichterstattung? Was ist an diesem Thema so spannend, als dass man nicht hätte darauf verzichten können? Gibt es nichts Wichtigeres auf dieser Welt als die Homepage eines Callboys? Ist das die Richtung in die Blogger gehen müssen, um bekannt zu werden: die Schwächen und Verletztbarkeit eines Menschen so schonungslos zur Schau zu stellen?



"Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr." Neues Testament, Bergpredigt


Es ist und bleibt ein Kampf mit ungleichen Mitteln. Selbstverständlich haben wir Blogger das Recht auf freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild. Aber wir haben keine Pflicht dazu. Spätestens zu dem Zeitpunkt, wo man merkt, dass man dem Gegner überlegen ist und der Zweck des Ganzen Richtung "Sinnlos" tendiert, darf man ruhigen Gewissens die Berichterstattung einstellen. Man hat dabei auf sein Recht der freien Meinungsäußerung verzichtet, doch man hat die Würde eines anderen Menschen gewahrt. Aber ein Ende dieses Krieges ist noch lange nicht in Sicht. Die Gerichte werden weiterhin bemüht, neue Artikel darüber werden geschrieben, die Gerichte werden weiterhin bemüht; der Kampf gegen die Hydra ist digital geworden. Seit Anfang August existiert nun auch ein Blog, welches vorgibt, von Torsten R. betrieben zu werden, obwohl es offensichtlich nicht von ihm stammt. Ich verzichte auf eine Verlinkung, denn der dort dargestellte Inhalt ist weit über die Grenzen von Satire und Humor hinausgeschossen.

Oft wurden Lösungen versucht und sind gescheitert. Ich flehe dennoch alle Beteiligten, wie so viele vor mir, an, diesen Unsinn zu beenden. Gehen Sie nicht nur als juristischer, sondern auch als moralischer Sieger aus diesem ungleichen Kampf. Nutzen Sie das geschaffene Netzwerk nicht dafür, das Leben eines Menschen zu ruinieren. Bitte!

_____

 

Anmerkung: Die Kommentarfunktion ist derzeit von blogg.de deaktiviert, da man das Spam-Problem nicht in den Griff bekommt. Sollten die Verantwortlichen wider meines Erwartens vor der nächsten Eiszeit eine Lösung finden, wäre ich sehr dankbar. Wenn Sie mir dennoch dringend Ihre Meinung zu diesem Beitrag sagen möchten, nehmen Sie bitte per Email an DrEngel@gmx.de Kontakt zu mir auf. Sofern ich fauler Student nicht gerade dabei bin, Unmengen von Mensa-Kaffee in mich hinein zu schütten, werde ich mich umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen. Vielen Dank!


Ein Wunder: Die Kommentarfunktion ist wieder verfügbar!

Kommentare

Dr.Engel am 13.08.2006 - 20:53

Sie werden Sich vielleicht fragen, wo all die Kommentare zu diesem Beitrag sind. Ich habe sie gelöscht! Da ich eine schnelle Lösung für alle Beteiligten erhoffe, bin ich natürlich bereit, umstrittene Textpassagen zu entfernen. Da ein Nachvollziehen der Diskussion mit zensierten Kommentaren schlecht möglich ist, habe ich einfach alle gelöscht. Sie werden ohnehin kaum jemandem fehlen. Es ist nun aber an der Zeit, wieder den höchstmöglichen Respekt gegenüber Allen zu demonstrieren.

Eine der Aufgaben von Blogs ist es, zu berichten. Genauso ist aber auch die Privatsphäre des Einzelnen schützenswert. Wenn jemand nicht möchte, dass sein halbes Leben im Internet ausgebreitet wird, dann haben das wir Blogger zu akzeptieren. Es spielt keine Rolle, inwieweit eine Privatperson sich öffentlich im Internet darstellt. Wenn die Berichterstattung die Grenze des Zumutbaren und Zulässigen überschreitet, dann dürfen wir nicht aufgeben, eine gute Lösung zu finden. In der Hoffnung einer sich nun abzeichnenden dauerhaften Lösung werde ich das meinerseits Mögliche dafür sehr gern unternehmen.

Wenn das gesamte Spektrum dieses seit Wochen andauernden Streites langsam wieder aus dem Internet verschwindet, wird dies wohl niemanden ernsthaft schmerzen können. Dafür gibt es auf dieser Welt zuviele wichtigere Problematiken, die es wert sind, ebenso stark und emotional aufbereitet zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen schönen Abend.
Ihr Dr.Engel

georige am 04.04.2009 - 16:12

íäà.. óäèâèë

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